Wahrzeichen König-Friedrich-August-Turm

Die Fachwelt über den Löbauer Turm

"...einem Eisengußobjekt sehr seltener Art..., dem Gußeisernen Aussichtsturm von Löbau in Sachsen, der 1854, also nur drei Jahre nach seinem technischen Vorbild, Paxtons Londoner Kristallpallast, entstanden ist. Dieses wie eine filigrane Pagode anmutendes achteckiges, fast netzhaft durchsichtiges Gebilde ist der einzige Gußeiserne Aussichtsturm in Europa. Er ist wie Paxtons Werk ein Montagebau, ein Werk des Bildhauers und Modelleurs Marquart aus der Bernsdorfer Gießerei."

Auszug aus der Rede von Prof.Sperlich, im Juni 1993 in Wismar

Technische Daten

  • 28 Meter hoch
  • 4 MeterDurchmesser
  • achteckige Form
  • 8 Meter in den Fels gegründet
  • 4 Stockwerke im Innern
  • 3 Galerien in 12, 18 und 24 Metern Höhe
  • 120 Stufen - Wendeltreppe

Verwandt wurden über 1.000 Einzelteile mit einem Gewicht von 70 Tonnen. Die Teile sind hauptsächlich zusammengesteckt und mit Blei verschlagen. Die Architektur des Turmes entspricht einem Neostil des 19. Jahrhunderts, der sich vor allem an der byzantinischen und gotischen Ornamentik orientiert.

Öffnungszeiten für Besichtigungen Eintritt

2,00 Euro

Mai bis September (Montag - Freitag 9 Uhr - 20 Uhr | Sonnabend, Sonntag 9 Uhr - 22 Uhr)

Oktober bis April (Montag - Freitag 10 Uhr - 18 Uhr | Sonnabend, Sonntag 10 Uhr - 20 Uhr)

Gusseiserner Turm

Um 1850 wurde die Idee geboren, auf dem Löbauer Berg einen Aussichtsturm zu bauen. 1853 nahm das Vorhaben konkrete Formen an. Man diskutierte über Aussehen und Finanzierung des Baus. Pläne für einen steinernen Turm und für einen aus Gusseisen existierten. Man entschied sich schließlich für die Variante aus Gusseisen.

Doch noch stand für die Stadtväter das Problem der Finanzierung. Da entschloß sich ein Mann kurzerhand, das Turmvorhaben in die eigenen Hände zu nehmen. Es war der Löbauer Bäckermeister Friedrich August Bretschneider (geb. 1805). Nach Verhandlungen zwischen ihm und dem Stadtrat konnte der Bau 1854 beginnen.

Ab dem 12. Januar 1854 machte man sich daran, den Platz, auf dem der Turm später einmal stehen sollte, abzuholzen. Mit einem in der projektierten Turmhöhe aufgerichteten Steigebaum hatte man auf dem Berg den besten Aussichtspunkt herausgefunden. Tragende Säulen wurden acht Meter tief in den Felsen verankert und aus 80 Quadratmetern Holz ein Gerüst in achteckiger Form für den Turmaufbau gestellt. Im Februar gab König Friedrich August von Sachsen die Zustimmung, dass der Turm seinen Namen tragen und das sächsische Wappen angebracht werden dürfe. Aus Anlaß des 57. Geburtstages des Königs wurde am 18. Mai 1854 feierlich der eiserne Grundanker eingesetzt. Anfang Juni begann man, den Turm aufzusetzen. Die Montage dauerte trotz der damaligen technischen Möglichkeiten nur zweieinhalb Monate.

Wider Erwarten hatte der Bau insgesamt rund 25.000 Taler gekostet - für einen Bäckermeister nicht leicht zu bewältigen und deshalb umso ehrenwerter. Um diese Summe zu verdienen, hätte Bretschneider um die 1,6 Millionen Kilogramm Brot backen und verkaufen müssen.

Die Einweihung des Turmes mußte vom 1. August bis auf weiteres verschoben werden, da der sächsische König in die Tiroler Alpen gereist war. Dort verunglückte er tödlich. Überschattet von diesem Ereignis fand die Einweihung am 9. September 1854 statt. In der Folgezeit wurde der "Gusseiserne" von in- und ausländischen Gästen begeistert aufgenommen. Bretschneider erlebte nicht mehr den Aufschwung, den der Turm nahm. Er verstarb am 22. Juli 1863.

1870 übernahm die Stadt den Turm. Sie zahlte den Erben 2.000 Taler und gab der Witwe Bretschneiders eine zehnjährige Rente von 100 Talern im Jahr. 1875 erhielt der Turm acht kupferne Orientierungstafeln auf der Brüstung der obersten Galerie. Im Jahre 1889 wurden zum ersten Mal der Anstrich und die Vergoldung erneuert. Das Restaurantgebäude wurde 1902 aufgestockt.

1964 erfolgten weitere Sanierungsarbeiten. So wurden über 300 Einzelteile neu gegossen sowie der Anstrich und die Vergoldung erneuert. Aus statischen Gründen wurden 1985 Stahlbandagen notwendig. Herabstürzende Teile und Rosttreibungen erforderten im Frühjahr 1992 die Schließung des Turmes für den Besucherverkehr und machten eine umfassende Rekonstruktion notwendig.

Am 9. September 1993 begann die Demontage. Die Teile wurden sandgestrahlt. Dabei zeigte sich, welche Teile wiederverwendet werden konnten. Tragende Teile wurden neu gegossen. Die Löbauer und andere Turmenthusiasten haben es mit viel Anteilnahme und Spendenmitteln geschafft, ihr Kleinod wieder neu entstehen zu lassen. Großzügige Zuwendungen vom damaligen Landratsamt Zittau, vom Amt für Denkmalpflege und eine großzügige Unterstützung durch den Sächsischen Freistaat ermöglichten den Wiederaufbau. Verantwortlich dafür war die Leipziger Firma "Fach und Werk, Beratungs-, Planungs- und Servicegesellschaft für Denkmalpflege mbH", unter Beteiligung von 29 Betrieben der Fachbranchen - vorrangig aus der Region.

Nach nur einem Jahr wurde der Turm am 9. September 1994, 140 Jahre nach seiner Erbauung, wiedereröffnet. Nun lädt der Gußeiserne wieder ein, einen Blick über die Oberlausitz bis ins tschechische Riesengebirge zu werfen. Ganz nach dem Motto des Erbauers Friedrich August Bretschneider: "Je weiter der Blick, desto freier das Herz"

Blick Gusseiserner Turm

Architekt Friedrich August Bretschneider jun.

Bretschneider

Bildhauer und Modelleur C. W. Marquart

Besitzer des Eisenhüttenwerkes Bernsdorf Ludwig von Klitzing

Hüttenmeister in Bernsdorf G. Grieshammer

Aufstellung, Ziseleur und Monteur Geisler

Baumeister Carl Gottlieb Lippert

Maurerpolier Friedrich Wagner

Maurermeister Kleint

Zimmerpolier Gottfried Rönsch

Baugerüst Gottfried Rönsch

König-Friedrich-August-Turm - die Wiedergeburt 1993 bis 1994

Herabstürzende Teile und Rosttreibungen erforderten im Frühjahr 1992 die Schließung des Turmes für den Besucherverkehr.

Ziel war es, das Wahrzeichen der Stadt zu seinem 140. Jubiläum am 9. September 1994 für Besucher wieder zu öffnen. Das Statische Gutachten sagte jedoch aus: Nur eine völlige Demontage gewährleistet eine sichere Sanierung. Damit waren die Weichen für den Arbeitsablauf gestellt und ein straffer Terminplan für eine einmalige internationale Herausforderung aller Beteiligten stand bevor. Am 9. September 1993, genau ein Jahr vor dem Fertigstellungstermin, übergab der Löbauer Bürgermeister Dietrich Schulte in einem Festakt symbolisch den Turmschlüssel und damit den Turm für ein Jahr dem Generalunternehmer, der Firma Fach & Werk aus Leipzig. Mit diesem Augenblick begann unter der Leitung des Richtmeisters Milkowski die Demontage des ersten Teiles, der Turmlaterne.

Die Demontage

Bei der Demontage wurden alle Turmteile sorgfältig gekennzeichnet und in einer Halle der ehemaligen Nationalen Volksarmee eingelagert. Es waren im einzelnen 112 Hauptsäulen, 64 Feldplatten, 184 Treppensegmente, 170 Hauptteile für Plattformen und Geländer, Streben, Anker und Kleinteile mit einem Gesamtgewicht von 70 MP. Das übereinstimmende Ziel aller fachlich Beteiligten war, einen möglichst hohen Prozentsatz an Original-Substanz wieder einzusetzen.

Die Restaurierung

Mit den wichtigsten Strahlarbeiten wurde im Frühjahr 1994 begonnen. Schäden wurden freigelegt. Im Ergebnis wiesen u.a. die Geländerstiele der Aussichtsplattformen Lunker (Hohlräume, die beim Gießen enstanden) auf und große Ornamentplatten hatten Risse an den Flügelstellen. Alle tragenden und statisch wichtigen Teile wurden neu gegossen. Das sind alle Ringankerelemente, 50% der Treppenstufen sowie die Platten der Aussichtsplattformen. Völlig neu, aber wesentlich für die Statik: der sogenannte "Innere Turm". In die alten, innen hohlen Gußsäulen wurden Stahlsäulen, die die Zugkräfte des Turmes aufnehmen, eingefügt. Dadurch konnten alle alten Gußsäulen repariert und wiederverwendet werden.

Der Wiederaufbau

Die ersten fertigen Teile wurden auf die Baustelle gefahren und Einzelteile vormontiert. Am 16.Mai 1994 setzte der Löbauer Bürgermeister, Herr Schulte, die erste neue alte Gusssäule. Die Ornamentplatten, wieder mit Blei an der Unterseite vergossen und an den Seiten verstemmt, erhielten an den Fügestellen der Bauteile zusätzlich eine Acryldichtschicht, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Während die Montagearbeiten an der mittleren und obersten Plattform noch liefen, begannen sechs Restauratoren der Region mit der Vergoldung der untersten Platten.

Die neue Einweihung

Der Turm steht wieder, das Werk ist vollbracht. Der "König-Friedrich-August-Turm" konnte termingemäß am 9. September 1994 wieder seiner Nutzung übergeben werden. Die feierliche Übergabe des Turmes an den Bürgermeister durch die Firma Fach & Werk erfolgte durch Herrn Vogel in gleicher Weise mit symbolischer Schlüsselübergabe, wie zum Beginn der Übernahme. Allen am Bau Beteiligten kann ein hohes Verantwortungsbewusstsein und große Sorgfalt beim Umgang mit der historischen Bausubstanz bescheinigt werden. Der hohe Wiederverwendungsgrad an Originalteilen (rund 80%) verdeutlicht, mit welchem Fingerspitzengefühl während der gesamten Zeit der Rekonstruktion am Turm vorgegangen wurde.

Die acht Turmtafeln am gusseisernen König-Friedrich-August-Turm: Ein Dank an die Erbauer ...

Hier präsentieren wir Ihnen in Kürze die acht Turmtafeln.

Seite teilen:
Twitter Facebook Google+

Stadtwerke Löbau Logo - Partner der Stadt Löbau
Messepark Löbau Logo - Partner der Stadt Löbau
WOBAU Logo - Partner der Stadt Löbau