Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

28. Januar 2018

In Löbau ist am Sonntag, den 27. Januar am Wettiner Platz der Opfer des Holocaust gedacht worden. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und „Nationalen Tag des Gedenkens“ an die Opfer des Nationalsozialismus versammelten sich neben Oberbürgermeister Dietmar Buchholz auch einige Löbauer Bürger - darunter Schüler und Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums - um gemeinsam an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern sowie ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu setzen.

Gedenktag 1

Die Rede des Oberbürgermeisters im Wortlaut:

"Heute vor 73 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Die 12 Jahre davor von 1933 bis 1945 waren die dunkelste Zeit in unserer Geschichte. Der nationalsozialistische Terrorstaat war ein Einbruch in die Zivilisation mitten im 20. Jahrhundert. Am heutigen Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und „Nationalen Tag des Gedenkens“ an die Opfer des Nationalsozialismus sind wir hier zusammen gekommen, um auch in Löbau an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte zu erinnern. Der 27. Januar ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft.

Unsere Geschichte lehrt uns, dass Demokratie eben nichts Selbstverständliches ist, sondern dass sie auf aktive Demokraten angewiesen ist, die für sie eintreten und sie ständig weiter entwickeln. Unser Grundgesetz garantiert allen Bürgerinnen und Bürgern die Menschenrechte und die Gleichheit vor dem Gesetz. Es lohnt sich, für diese Werte einzustehen und sie immer wieder neu im Alltag durchzusetzen, damit antidemokratische Haltungen in unserem Land nie mehr den Sieg davon tragen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hat 1996 vielleicht gerade deshalb den 27. Januar als nationalen Holocaust-Gedenktag in Deutschland ausgerufen, weil dieser Tag vor allem auch für Freiheit steht. Die Menschen im Konzentrationslager Auschwitz wurden befreit, aber viele wurden bis zu diesem Zeitpunkt Opfer des Rassenwahns.

Der Gedenktag soll Veranlassung dazu sein, aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus aufzutreten. Es gibt keinen Grund sich in Sicherheit zu wiegen und zu glauben, dass sich Ausgrenzung und Hass nicht wiederholen können. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Wir müssen laut sein, wenn Fremde ausgegrenzt, wenn Schwache ihrer Menschenrechte beraubt, wenn Menschen instrumentalisiert werden. Der Nationalsozialismus mit seinen Gräueltaten, mit seiner Menschenverachtung und mit seinen millionenfachen Morden erscheint uns heute wie ein Regime aus grauer Vorzeit. Dieser Gedenktag ist deshalb aber auch ein Tag, der uns auf politisches Versagen hinweist - mit dem Ziel, dass nicht erneut Menschen Opfer „unseres“ Versagens werden.

Wenn wir die Berichte in den Medien verfolgen dann wissen wir, dass wir mit Mahnen und Gedenken noch längst nicht am Ziel sind. Vertreibung und Völkermord, rassistisch motivierte Gewalt, Unfrieden, kriegerische Auseinandersetzungen, Fanatismus und Hass zeigen eine andere Wirklichkeit. Die Überlebende des Holocaust, Tamara Dreifuss, hat einmal vor Schülerinnen und Schülern gesagt. „Ihr seid nicht schuld, ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Ihr müsst nur dafür sorgen, dass es nicht wieder passiert.“ Deshalb ist es in diesen Tagen wieder ganz besonders wichtig zu wissen, wofür das Wort "Auschwitz" steht. Und es ist auch wichtig zu wissen, wie das damals alles angefangen hat: Mit üblen Verschwörungstheorien, mit systematischer Ausgrenzung, mit Hass auf andere Kulturen und Religionen – und überhaupt mit einer Ideologie, die Menschen in Rassen einteilte, in angeblich gute und in angeblich schlechte, die ausgerottet werden müssten.

Wir brauchen viele, die sich stark machen für die Würde und die unantastbaren Rechte aller Menschen, ungeachtet ihrer Religion, ihrer Kultur, ihrer politischen Überzeugung und ihrer Abstammung. In unserem Land vollziehen sich derzeit gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen, die möglicherweise auch bei uns bislang sicher geglaubte politische Strukturen in Frage stellen können. Der Erhalt dieser demokratischen Strukturen wird entscheidend von der Bereitschaft eines jeden abhängen, sich in einer aktiven Bürgergesellschaft für die Demokratie zu engagieren. Dazu gehört, extremistischem Gedankengut von Rechts aber auch von Links eine klare Absage zu erteilen.

In unserer zunehmend globalisierten Welt und multikulturell strukturierten Gesellschaft erfordert das friedliche Miteinander mehr als je zuvor gegenseitigen Respekt und Toleranz. Wir alle sind dazu aufgerufen, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken und in gleichem Maße Vielfalt und Toleranz zu stärken. Und aufgrund einiger schlimmer Ereignisse dürfen wir in Richtung der Flüchtlinge auch Erwartungen haben, dass sie sich in unserem Land an unseren Werten orientieren. Integration beruht auf der Akzeptanz von Regeln. Wer unsere Werte, unsere Rechte und Gesetze nicht anerkennt und für den gegenseitiger Respekt keinen Wert hat, der verwirkt sein Gastrecht. Und trotzdem müssen wir es differenziert betrachten und dürfen nicht alle unter Generalverdacht stellen.

Ich wünsche uns eine Gesellschaft, die von gegenseitiger Anerkennung und Respekt geprägt ist, eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Abgrenzung, in der Toleranz und Akzeptanz gegenüber jedem Andersdenkenden, gegenüber jeder Anschauung und Religion gewahrt wird; in der jeder ohne Angst verschieden sein kann. Erinnern schafft die Voraussetzung zur Vermeidung neuen Unrechts. Es macht uns wachsamer gegenüber neuen nationalistischen Überheblichkeiten. Deshalb setzen wir Zeichen, damit diese grauenhaften Taten nicht in Vergessenheit geraten. Wir gedenken der Opfer in Trauer, wir verneigen uns in ehrendem Gedenken vor all jenen Menschen, die Rassenwahn, Grausamkeit und Intoleranz zum Opfer fielen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam im Stillen der Opfer gedenken."

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