Die Fleischbänke im Löbauer Rathaus

 
Zur besseren Kontrolle der vorgeschriebenen Hygiene und Qualitätsvorschriften wurden im Mittelalter die ursprünglich im Freien angelegten Verkaufstische der Metzger- und Fleischhauerstände in direkt nebeneinander liegende Verkaufstätten, oft in Gewölben, untergebracht. Diese lagen meist in den Erdgeschossen der um den Markt stehenden Häuser. Die Bankform ihrer Verkaufstische gab ihnen den Namen.

In Löbau gab es gewöhnlich 14 Fleischbänke. Innungsartikel der Löbauer Fleischer sind für 1448, 1554 und 1566 bekannt. Interessant ist, dass der Bankzins differenziert entrichtet wurde. Sechs Fleischbänke zahlten 9 Groschen und 4 Pfennige; vier Fleischbänke entrichteten 4 Groschen und 8 Pfennige Census. Diese Geldeinheiten entsprachen in alter Zeit einer halben und einer viertel Görlitzer Mark Geldes. Zwei weitere Fleischbänke entrichteten eine halbe Geldmark als „ewigen Kirchenzins“ an die Hauptkirche zu St. Nicolai. Die übrigen zwei Fleischbänke gaben sogar 4 Groschen an den Kaplan in Kittlitz. Diese rätselhafte Abgabe muss sehr alt gewesen sein und noch aus der Zeit vor dem Bau der Nicolaikirche stammen. Heute verfügt die Stadt Löbau über die wohl einzig noch in einem Rathaus vorhandenen Fleischbänke.
 

Im Zuge eines Pächterwechsels ließ die Stadt Löbau 1937 das Restaurant “Ratskeller” umbauen. Dabei wurde auch die vierkappigen Gewölbehalle der ehemaligen Fleischbänke verändert. Vor dem Umbau war der zeitweise auch “Biertunnel” genannte Raum, über eine Treppe vom Ratskeller aus zugänglich und diente diesem als “unteres Gastzimmer”.

Beim Umbau wurde das Fußbodenniveau der Fleischbänke durch den Einbau einer Zwischendecke auf das der übrigen Ratskellerräume angehoben. Außerdem errichtete man Zwischenwände, die so der neuen Küche mit darunter liegendem Wirtschaftsraum, dem “Spielzimmer” und der neuen Eingangshalle Platz boten. Der historische, neben dem Rathausturm gelegene, Ratskellereingang wurde seither nur noch als Nebenzugang genutzt.

Die Lage des “Spielzimmers” ist noch an der 2008 restaurierten Wandmalerei der Würfelspieler und dem beim Umbau von 1937 weitgehend vom Putz befreiten Kreuzgewölbe ablesbar. Die Gewölberippen sind mit den Farbwerten des Französischen Blattes (Kreuz, Pik, Herz, Karo) gestaltet. Mit dem Rückbau aller 1937 errichteten Einbauten sind die Löbauer Fleischbänke nach über 70 Jahren wieder als eine Raumeinheit erlebbar. Als Tourist-Information öffenten sie im Juni 2008 wieder ihre Pforten. 
 
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