Der Pokal des Oberlausitzer Sechsstädtebundes


Der Pokal des Oberlausitzer  Sechsstädtebundes
Sechsstädtebund-Pokal, um 1680,
wahrscheinlich Haida,
Glasfuß im 19. Jahrhundert durch Holz ersetzt,
die Wappen der Bundesstädte in dekorativer Emailmalerei tragend

Der Sechsstädtebund

Ein Bund, wie die Hanse. Ein Bund der eine ganze Region bis in heutige Tage zu einer Einheit schmiedete. Die Oberlausitz war Jahrhunderte ein eigenständiger Lebensraum. Die Menschen sind geprägt durch die vielfältige Geschichte.

Hier ein Auszug aus dem Löbauer Journal 6 zum Thema:
 
Es muß etwas geschehen - Städtebünde
Johann war als Sohn des Luxemburger Heinrich VII. (1308-1313 deutscher König) nie so richtig warm in Böhmen geworden. Der Adel Böhmens hatte sich nach dem frühen Tode Wenzels III. und der folgenden Interimszeit (1306-1310), wo sich die Herrscher um Böhmen stritten, sehr verselbständigt. König Johann hatte das Land erweitert, aber Böhmen war durch seine ständige Abwesenheit zerrüttet.
 
Das war die Ausgangssituation. Städtebünde waren damals üblich. Und auch unser Städtebund ist in Wirklichkeit historisch gewachsen. Bereits 1339 vereinigten sich Breslau, Neumarkt, Glogau, Strehlen, Ohlau, Görlitz, Bautzen, Kamenz und Löbau mit Johanns Genehmigung zu einem Bündnis Verbrecher und ihre Ächtung betreffend. Geschlossen wurde der Bund für 12 Jahre. Am 29. Mai 1369 kamen zu diesem Bündnis noch Glatz, der Vogt der Niederlausitz, Goldberg, Frankenstein, Namslau, Guben, Luckau, Sommerfeld, Spremberg, Habelschwerdt, Steinau, Guhrau, Zittau und Lauban hinzu. In Görlitz wurde er erneuert.

Unser Städtebund
Auch er wirkte wahrscheinlich bereits vor 1346. Denn nur wenn Ordnung im Lande herrschte, konnten die Städte gedeihen. Auch in diesem Bündnis ging es vorerst um die gemeinsame Ächtung von Verbrechen.
 
Darüber stellte jede Stadt der anderen eine Urkunde aus. Wahrscheinlich kam die Idee zu diesem Bündnis von Karl IV. (1347-1378), der in den letzten Lebensjahren seines Vaters Johann wesentlich die Regierung bestimmte.
Zur Gründung am 21.8.1346 traf man sich in Löbau. Da man sich fast wöchentlich traf, war gewöhnlich das zentral gelegene Löbau der ideale Ort für den Bund. Der Städtebund hatte das Recht, Femgericht zu halten, d.h., er ahndete Verbrechen, für die das ordentliche Gericht nicht ausreichte. Auch König Wenzel bestätigte den Städten am 12.3.1381 dieses Femgericht.

Inhaltlich war unter anderem folgendes festgelegt:
War eine Person des Mordes, Brandes, Diebstahls, Raubes usw. beschuldigt, wurde das den anderen Städten mitgeteilt, wenn sie nicht überführt werden konnte. Erfolgte eine zweite Anklage und war die Person wieder nicht überführbar, wurde dies auch gemeldet. Kam es zur dritten Anklage zum gleichen Fakt, war die Schuld bewiesen. Außerdem galt die ausgesprochene Acht und Verfestung auch in den anderen Bündnissstädten. Und man jagte gemeinsam Verbrecher.
Ein Beispiel aus Görlitz aus dem Jahre 1357 soll als Beleg dienen:
„Der lengen Weberine ist dy stat unde laut vorsayt (versagt) und alle Sechsstete, dy in dem vhem gehorn.“
 
Die ersten Treffen der Sechsstädte in Löbau werden genau diese Femgerichte gewesen sein.
Gründung Sechsstädtebund
Die Stiftung des Sechsstädtebundes zu Löbau, 1346 Lithographie aus dem „Goldenen Buche vom Vaterland“ von Lubojatzky
 
Die Feme galt für die ganze Oberlausitz. Die Feme urteilte dann, wenn große Verbrechen wie Mord, Raub, Brand und Mordbrand als Tat verheimlicht wurden oder schwer aufklärbar waren. Neben dem Femrichter gab es Schöppen, Vertreter der Städte und ab 1390 auch des Adels. Ein großer Femerichter war Czaslaus von Gersdorff auf Bellmannsdorf,nachgewiesen von 1391-98. Er saß in Görlitz, Löbau und Zittau zu „Femding“.

Karl IV. schaffte Ordnung
Am 26.9.1355 ernannte Karl IV. die Städte zu Hütern des Rechtes und Gesetzes der Ordnung und des Friedens im ganzen Land. Er gab ihnen „ die Vollmacht ’des Königs Acht’ auszusprechen und in des ‘Königs
Namen’ das Urteil zu vollstrecken.“. (J 66)

Damit wurde auch der Adel von den Bürgern rechtlich vertreten !
Die Justiz des Landesherren lag in der Hand des Sechsstädtebundes. Durch diese Macht waren die Städte auch politisch stark, und wenn sie sich mit den Landständen einigen konnten, waren sie fast Alleinherrscher in ihrer Selbständigkeit. Es war ein regelrechter Feldzug gegen alle Orte, von denen Gewalttaten ausgingen.
 
Das Sechsstädtische Brauchtum
In Löbau tagte man in ältester Zeit im “Gasthof zum goldenen Löwen", wo die Vertreter auch übernachteten. Erst später fanden die Treffen im Löbauer Rathaus statt. Zumeist trafen sich Stadträte oder Bürgermeister der Städte einen Tag vor der eigentlichen Zusammenkunft. Das war notwendig, denn es soll bei schlechtem Wetter schon vorgekommen sein, das Stadtabgeordnete zur Tagung zu spät kamen oder nicht eintrafen, weil sie mit ihren Kutschen irgendwo auf den morastigen oder verschneiten Wegen steckengeblieben waren.
Unsere Stadtväter aus den Oberlausitzer Städten Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau waren nicht nur “wetterfeste Männer ihrer Zeit", sie mußten bei ihren Treffen auch trinkfest sein. Wenn es auch vordergründig um die gemeinsame Ächtung von Verbrechen ging, wer neu in die Beraterrunde kam, hatte laut Brauch einen Pokal mit Wein zu leeren.

Im 1. Löbauer Konventbuch heißt es:

"Weil allhier mit Nutz und Frommen die Sechsstädt zusammenkommen. haben die hochweisen Alten. gute Freundschaft zu erhalten. sich ein grosses Glas erlesen. das der. so nicht da gewesen. pflegt auf aller Gutbedünken treu- und redlich auszutrinken."

Der erhaltene Sechsstädtebundpokal im Löbauer Museum könnte viele Geschichten zu diesem alten Brauch berichten. Er war aber nicht der einzigste, denn es existiert noch ein Pokaldeckel aus dem Jahre 1619 ohne weitere Angaben und im Konventprotokoll vom 21.11.1679 ist zu lesen, daß die Vertreter der Städte Geld für einen Pokal bewilligen, welcher dann wahrscheinlich 1680 in Haida gefertigt wurde.
 
Das muß der Pokal sein, den wir heute alle stolz bewundern. Leichtes grünliches Glas mit typisch eingeschlossenen Luftblasen ( man konnte noch keine reine Glasmasse fertigen) und farbiger Emailmalerei, zeigt die dekorativen Stadtwappen des Bundes. Mit 3 Litern Fassungsvermögen machte der Weinpokal bei den Konventen die Runde. Die Stand- und Urteilsfähigkeit der neuen Abgeordneten wurde geprüft, indem sie selbigen in einem Zuge zu leeren hatten.
 
Nicht immer stählte die trinkfeste Runde ihr Zusammenwachsen, 1597 endete sie eher tragisch. 3 Teilnehmer starben nach wenigen Tagen. Ob der damals von Kamenz mitgebrachte Wein schuld war, ist bis heute nicht geklärt.
 
Verantwortlich für den Pokal und seine Pflege war eine Frau, die Frau des Löbauer Bürgermeisters, so die Weinkellerrechnungen der Stadt Löbau.
 
Ursprünglich komplett gläsern, besitzt er mittlerweile einen Holzfuß. Man sagt, der Glasfuß sei bei der letzten Zusammenkunft des Sechsstädtebundes im Jahre 1814 zerbrochen. Andere behaupten, es hätte sich später zugetragen.

Wie auch immer, der Pokal des Sechsstädtebundes ist Zeugnis einer fruchtbringenden gemeinsamen Landespolitik.
 

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