Löbau im Mittelalter

Um 1200 auf der Flur des Dorfes, welches wir heute Altlöbau nennen,ausgesetzt, war Löbau eine sogenannte „freie“ oder „königliche“ Stadt, die direkt dem böhmischen Königshaus unterstand und gehörte. in der Ersterwähnungsurkunde von 1221 wird Löbau als oppidum bezeichnet, sinngemäß als Vorstufe einer städtischen Siedlung. Noch heute belegt der große Marktplatz (das Rathaus stand anfangs frei ohne umliegende Bauten) den geplanten Fernhandelsort. 1311 mußte der Handelsverkehr wegen der großen Frequentierung der Stadt sogar landesherrlich geregelt werden.  Doch bald nahm im Rahmen der sogenannten Ostkolonisation Zittau diese Fernhandelsrolle ein.

Löbau wandte sich verstärkt dem Ackerbau und der Viehzucht zu. Besaß die Stadt bisher ausser der Stadtanlage kein eigenes Land, kaufte Löbau seit 1306 Land , Orte und Ortsteile. So bildete sich im Laufe der Zeit eine Weichbildverfassung heraus, die als Musterbeispiel für das östliche Deutschland bezeichnet werden kann.

Im kleinstädtischen Rahmen entwickelten sich Handwerk und Handel,die sich in Innungen oder Zünften organisierten oder auch in Bautzen, Görlitz oder Zittau eingezunftet waren. Zu den städtischen Vergünstigungen gehörte eine wichtige Regelung, die sozusagen den Absatzmarkt für den Handel der Stadt und damit ihr Einkommen sicherte. Es war das Meilenrecht,das sinngemäß besagte, dass im Umkreis einer Meile niemand brauen, mälzen, backen, schlachten oder ein anderes Handwerk betreiben durfte (außer für den Eigenbedarf). Damit wurden die Landbevölkerung und damit auch der umliegende Landadel stark in ihrer Entwicklung behindert, denn die anderen Städte hatten ähnliche Handelsrechte. Auseinandersetzungen waren vorprogrammiert, wo doch gerade der Adel oft ältere Rechte hatte.

Zur Sicherung der Stadtrechte war es üblich in damaliger Zeit Städtebünde zu gründen,so entstand auch unser Städtebund 1346 aus Anlass der gemeinsamen Strafverfolgung und in seiner Entwicklung zur Förderung einer eigenständigen Region Oberlausitz im Rahmen des böhmischen Königreiches. Der König selbst profitierte von den Einnahmen seiner wirtschaftlich wachsenden Städte.

Wurden die Städte zu selbstständig,wie der sogenannte Pönfall 1547 als Ergebnis zeigte (Verlust vieler städtischer Rechte,Strafgelder etc.), mußten sie sich ihre Rechte zurück kaufen oder verloren sie an den Adel. Diese Prozesse waren natürlich wesentlich differenzierter und vielschichtiger und immer auch abhängig von der Frage, wem nützt es. Löbau stand als Konventort mitten im Entwicklungsprozess. 

 

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